Eigene Veranstaltung anbieten: Welche Plattform passt zu welcher Größe?

Wer 30 Workshop-Teilnehmer plant, hat andere Anforderungen als ein Verein mit 800 Konzertbesuchern. Trotzdem landen beide oft auf derselben Plattform.

Wer einen ersten Workshop für 30 Teilnehmer plant, hat andere Anforderungen als ein Verein mit 800 Konzertbesuchern pro Quartal. Trotzdem landen Veranstalter beider Größen oft auf derselben Plattform — manchmal mit dem Ergebnis, dass die kleineren zu viel zahlen und die größeren an Funktions-Grenzen stoßen.

Ab wann lohnt sich eine professionelle Ticketing-Plattform?

Die Grenze liegt nicht bei der Teilnehmerzahl, sondern beim Bezahlvorgang. Solange Tickets per Rechnung oder Überweisung verkauft werden, reicht ein Google-Sheet plus ein PDF-Generator. Sobald Kreditkarte oder PayPal ins Spiel kommen, wird der Aufwand schnell zu groß: Zahlungsabwicklung, Erstattungen, Buchhaltung, Stornos, alles muss separat funktionieren.

Eine Plattform übernimmt all das ab dem ersten verkauften Ticket. Die Frage ist nicht „brauche ich das?", sondern „welche Plattform skaliert mit?". Konkret:

  • Bis ~50 Teilnehmer pro Event und unregelmäßige Veranstaltungen: Eventbrite oder evensos. Beide haben keine monatlichen Fixkosten, nur eine Gebühr pro verkauftem Ticket.
  • 50–500 Teilnehmer und regelmäßiger Verkauf: Reservix oder evensos sind sinnvoll, weil die Servicegebühr pro Ticket niedriger ist als bei Eventbrite und die Buchhaltungs-Exports robuster.
  • Ab 500 Teilnehmern oder bei wiederkehrender Tour-Logistik: spezielle Anbieter wie Eventim Light oder ein White-Label-System lohnen sich, weil die Marge pro Ticket relevant wird.

Was kosten die gängigen Anbieter konkret?

Die Gebühren-Strukturen unterscheiden sich auf eine Weise, die nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist.

  • Eventbrite nimmt typisch 3,7 Prozent Servicegebühr plus 1,79 € pro Ticket, dazu 2,5 Prozent für die Zahlungsabwicklung. Bei einem 25-Euro-Ticket sind das gut 4,30 Euro Gebühr.
  • Reservix verlangt etwa 9 Prozent Servicegebühr beim Käufer plus 1,90 € VVG, der Veranstalter zahlt keine direkte Gebühr.
  • evensos liegt bei 5 Prozent Plattform-Gebühr plus Stripe-Zahlungsgebühr (1,5 Prozent + 0,25 €). Bei 25 Euro: gut 2,40 Euro.

Die Frage, wer die Gebühr trägt — Käufer oder Veranstalter — ist getrennt von der Höhe. Eventbrite und Reservix wälzen die Gebühr standardmäßig auf den Käufer ab; evensos zeigt sie transparent als separate Position.

Was außer Preis ist relevant?

Drei Punkte werden vor dem Vertragsabschluss selten ausreichend geprüft.

Auszahlung. Wann fließt das Geld? Eventbrite zahlt typischerweise 4–5 Werktage nach Veranstaltung aus. Reservix erst nach Veranstaltungsende, gesammelt. Stripe-Connect-basierte Lösungen (evensos in Planung) können tägliche Auszahlungen ermöglichen — relevant bei längerer Vorverkaufsphase, wenn der Veranstalter Liquidität für Vorbereitungen braucht.

Käuferdaten. Welche Plattform gibt mir welche Daten? Eventbrite stellt vollständige Teilnehmerlisten zur Verfügung. Reservix nur eingeschränkt, weil sie auch eigene Marketingkampagnen über die Käufer fahren. Eine Frage, die sich lohnt: darf ich die Teilnehmer für mein nächstes Event ohne Plattform-Umweg kontaktieren? Die Antwort hat direkte Auswirkungen auf den Aufbau einer eigenen Marketing-Liste.

Stornofälle. Wenn ein Veranstaltungsteilnehmer ein Ticket zurückgibt, fließt die Gebühr in der Regel nicht zurück — sondern bleibt bei der Plattform. Bei kleinen Veranstaltungen ist das eine Randnotiz, bei Touren mit hohen Storno-Raten ein signifikanter Posten. Manche Plattformen erlauben das Aufsetzen einer No-Refund-Policy, andere erzwingen ein 14-Tage-Widerrufsfenster — was rechtlich für Verbrauchergeschäfte zwar überwiegend ohnehin gilt, aber unterschiedlich umgesetzt wird.

Eine pragmatische Reihenfolge bei der Auswahl: erst die erwartete Teilnehmerzahl auf 12 Monate hochrechnen, dann die Gebühren konkret für ein eigenes Beispiel-Ticket durchrechnen, dann die Frage „kann ich die Teilnehmer langfristig erreichen" beantworten. Erst danach die UI-Aspekte vergleichen — die sind sekundär, weil eine schlechte UI durch Eingewöhnung weniger schmerzt als zwei Prozent zu hohe Gebühren.

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